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Wirtschaftliche Gründe


     
1. Schnelleres und kostengünstigeres Absetzen            von Produkten
        2. Schnellere Verbindung in die                           Reichshauptstadt Berlin
        3. Entstehen von verkehrsgünstigen                      Umschlagplätzen für Güter
        4. Schnelleres und bequemeres Reisen
        5. Zunehmende Mobilität der Menschen


Seit dem 19. Jahrhundert wurde, bedingt durch die wachsende Industrialisierung, das Eisenbahnwesen zum entscheidenden Faktor (Gütertransport, Absatzmärkte). Die Notwendigkeit der Vernetzung mit dem damals schon vorhandenen Strecken der preußischen Staatsbahnen wurde frühzeitig erkannt. Seit 1842 gab es im Norden des Oderbruchs die Strecke Berlin - Stettin und am Südrand die Hauptbahn Berlin - Frankfurt (Oder). 1857erfolgte die Verbindung Frankfurt (Oder) und Küstrin. Als weitere wichtige Verbindungen entstanden 1866/67 die Strecken Küstrin - Berlin (bekannt als Oderbahn) sowie von Eberswalde nach Wriezen. 1877 kam die Weiterführung von Werbig nach Frankfurt (Oder) hinzu.
In der "Frankfurter Oderzeitung" vom 07.05.1895 wurde ein, von der Stettiner Eisenbahn- Baugesellschaft und vom Betriebsunternehmer "Lenz & Co" entworfenes, "Oderbruch- Bahnprojekt" vorgestellt. Die Strecke sollte in Podelzig beginnen und ab Sachsendorf auf der später ausgeführten Trasse mit Einbeziehung des Ortes und des Bahnhofes Letschin verlaufen. Von "sachverständiger Seite" wurde die große Bedeutung, welche eine solche Bahn für die landwirtschaftliche Industrie haben würde, hervorgehoben.

Es galt den Produktionen leichteren Absatz zu schaffen und für ihre Betriebsbedürfnisse (Kohlen, Treibstoffe usw.) besser heranschaffen zu können. Dabei wurde die Notwendigkeit der Anbindung, eines Umschlagplatzes an der Oder, an die Bahn hervorgehoben.

"Für die Oderbahn welche vorzugsweise den Anschluss der Zuckerfabriken bewirken soll, ist diese Frage ausschlaggebend ...". Dafür und für das "Getreidegeschäft" wurden Umschlagplätze in Kienitz und Groß Neuendorf gesehen. Ein Jahr später, im Juli 1896, berichtete die genannte Lokalzeitung über eine "Denkschrift, Betreffend der wirtschaftlichen Bedeutung einer normalspurigen Kleinbahn Podelzig - Wriezen". Darin hieß es, dass die "fruchtbare Niederung ... zwischen der Oder und dem Höhenzug ... durch die Staatsbahn Wriezen - Werbig - Frankfurt a. O. zwar auf der Westseite schon teilweise aufgeschlossen, aber nicht in dem Maße, dass alle Ortschaften und die zahlreichen Fabriken auf der östlichen Seite dieses Bezirkes ausreichende Bahnverbindung hätten". Genannt wurden die Zuckerfabriken in Podelzig, Sachsendorf,, Tucheband, Gorgast, Golzow, Friedrichsaue, Voßberg und Thöringswerder. Diese Häufung dokumentiert die Dominanz der Rübenproduktion.  

Weitere Argumente für den Bau der Oderbruchbahn waren, die Zufuhr von Düngemitteln, der Transport von Mastgeflügel (Gänse) und Ziegelsteine nach Berlin.
Als Hauptstation der Strecke war Groß Neuendorf vorgesehen. Hier sollte ein größeres Empfangsgebäude mit Wohnung für den Bahnverwalter und einen Werkmeister errichtet werden, ferner ein Lokomotivschuppen für 5 Stände. Andere Ortschaften sollten zunächst nur Wartehallen, teils mit, teils ohne Güterraum, erhalten. Als "Betriebsmittel" waren zwei Tenderlokomotiven, acht Personenwagen, zehn gedeckte und 30 offene Güterwagen vorgesehen. Von Groß Neuendorf sollten täglich je drei Personenzüge und ein Güterzug nach Wriezen und Podelzig verkehren.